Anna Goldsteiner

Taglöhnerin. Widerstandskämpferin. Hingerichtet.

* 1899    † 1944

 

Herkunft, Beruf, NS-Frauenschaft

Anna Goldsteiner (geb. Stubenvoll) wurde am 17.6.1899 in Wien geboren. Sie arbeitete als Taglöhnerin in Pulkau (Niederösterreich). 1941 war sie in der NS-Frauenschaft. Sie war verheiratet und Mutter eines Kindes.

Organisation einer antinazistischen Jugendbewegung

Anna Goldsteiner organisierte in Pulkau eine antinazistische Jugendbewegung.

Verhaftung, Todesurteil, Hinrichtung

Am 1. 11. 1943 wurde Anna Goldsteiner verhaftet und am 17. 4. 1944 zum Tode verurteilt. Am 5.7.1944 wurde sie im LG I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

„Sie [die Angeklagten] gaben der illegalen Vereinigung den Namen ’Ewig treu mein Österreich‘. Als Erkennungszeichen waren Arm- und Halskettchen, ein buntes, möglichst rotes Halstuch, am Rockaufschlag ein Kreuz und bei Nacht eine Leuchtplakette vorgesehen, Seidenhemden und lange hintergekämmte Haare (so genannten ’Schlurfschnitt‘) zu tragen. Nach diesem Haarschnitt nannten sie sich selbst die ’Schlurfe‘. Auch ein besonderer Gruß war vorgesehen. (…) Anna Goldsteiner hat durch ihr verbrecherisches Verhalten ihr eigenes Kind und andere junge Menschen auf die schiefe Bahn gebracht. Für ihre charakterliche Minderwertigkeit ist es besonders bezeichnend, dass sie nicht davor zurückschreckte, den Angeklagten [Franz] Frischauf zum Diebstahl an seinem eigenen Lehrherrn zu veranlassen, wobei sie noch dazu wusste, dass dieser als Gegenleistung für das Diebsgut von ihr erhaltene Waffe zu Mordanschlägen verwenden wollte. Selbst wenn das Gesetz für das von der Angeklagten Anna Goldsteiner begangene Verbrechen der Wehrkraftzersetzung nicht die Todesstrafe als einzige Sühne vorgesehen hätte, so hätte das unverantwortliche verbrecherische Treiben dieser Angeklagten auch im übrigen durch keine andere Strafe angemessen geahndet werden können.“

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich ihr Name auf einer der Gedenktafeln.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Weblinks und Quellen

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit. Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien, 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“ Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation. Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag. 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


Porträt teilen